| Fr. 10.07.2009 |
| Einlass 21:00 Uhr |
| AK 7,-/ab 23:30 Uhr: 4,- |
| Anhören |
|
|
Indie Night: +/- {PLUS/MINUS} (USA)
DJs: Indiepapst + Stefan K.
Bei +/- {PLUS/MINUS} geht es irgendwie immer um PRÄGNANZ oder auch Präzision. Gerade letztere ist nicht gerade ein Wort mit dem man gern Bands beschreibt und ganz sicher nicht solche, denen man Attribute wie Prog-Rock oder gar Mathe-Rock (gibt's das überhaupt) aufdrücken könnte. (Trotz ihres Namens haben +/- {PLUS/MINUS} aber ganz sicher keinerlei Affinität zur Mathematik). Die New Yorker Band ist allerdings atemberaubend kompetent und entschlussfreudig in ihren Arrangements und ja, natürlich auch sehr präzise.
Es ist eigentlich seltsam, dass kommerzielle HipHop-Produzenten, wie beispielsweise ein Timbaland, nicht mit oben genannten Adjektiven beschrieben werden, aber dann, die Verbindung solcher Fähigkeiten dazu nutzen, Songs zu produzieren, die mühelos und einfach sind in ihrer Überschwänglichkeit und ihrem Charme.
In den vergangenen 7 Jahren haben +/- {Plus/Minus} 3 Alben und 2 EP's aufgenommen, Platten die gleichermaßen mühelos wirkten, aber so komplex und schwierig schienen, wie die Auftritte der Akrobaten und Artisten des berühmten Cirque Du Soleil. - Du bist beeindruckt, geblendet, fühlst Dich gut unterhalten, aber dein Gehirn fragt sich die ganze Zeit: "Wie machen die das?" Die Dichtigkeit, die Faszination und die rhythmische Antriebskraft in ihrer Musik hat in gewisser Weise einiges gemein mit einem Produzenten wie Timbaland. Doch die virtuosen Sprünge und schnellen Bewegungen machen +/- {Plus/Minus} vergleichsweise zu einem Nikola Tesla*, wohingegen Timbaland ein Thomas Edison bleibt. Die Band ein Gourmet-Burger, der Produzent ein BigMac. Wir denken, Sie haben verstanden.
Ihr letztes Album "Let's Build A Fire" war die Spitze dieses Ansatzes, eine Popplatte so verzwickt und anspruchsvoll konstruiert, dabei vorgetragen mit einer halsbrecherischen Geschwindigkeit. In USA könnte man das Hyper-Pop nennen - hier besser nicht. Ein schlichtweg wundervolles Album, das sich vermutlich nie ganz erschließt.
Mit ihrem nun mehr 4. Album, "Xs On Your Eyes", haben James Baluyut, Patrick Ramos und Chris Deaner ihren musikalischen Denkansatz, ihr Niveau nicht vereinfacht, aber sie gehen es einen Augenblick langsamer an. Warme Gesangsharmonien, Handclaps und Rhythmen bei denen du beim Mitwippen des Fußes aufpassen musst, dass du dich nicht verletzt. Das Ergebnis ist erhaben, ein ermutigendes und einprägsames Pop-Album besser als alles, was die Band bislang aufgenommen hat. Vielleicht liegt es an den raschen Hochzeiten zwei der drei Bandmitgliedern, oder an den Kindern, die seit Beendigung der Aufnahmen zum Vorgänger-Album geboren wurden. Oder an James Baluyut's nächtlichem Schmettern irgendwelcher 70er-Jahre Schmonzetten in seiner Lieblings-Karaoke-Bar. Vielleicht auch an Chris Deaner's wichtiger werdenden Rolle bei den Kompositionen des Albums nach Beendigung seiner Tour als Live-Drummer von Kelly Clarkson. Oder es liegt daran, dass das von Patrick Ramos gesungene Stück "For You" wirkungsvoll David Caruso's Schauspielkunst während einer CSI:Miami Folge im letzten Jahr untermalte. Vielleicht hat es auch mit Reife zu tun, damit dass Dinge sich ändern. Auf jeden Fall ist dies eine Band, die vor Aufregung strotzt, doch mehr in lässiger, intimer Weise. Es gibt immer noch eine Fülle an Melodien, an Abwechslungsreichtum - Spannungsbögen satt; gute Beispiele dafür sind die Baluyut Single "Snowblind" oder auch Ramos' direkt folgendes "Subdued". Faszinierende Songs für ihre bestehenden Fans und für einen ganzen Haufen neuer.
|